Home / Archiv / Ausgewählte Pro... / Peace Counts Sc... / Reportagen & Th... / Kolumbien: Ball statt Revolver - John Jairo und der Straßenfußball
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Medellín in Kolumbien gilt als eine der gewalttätigsten Städte Südamerikas. Ganze Stadtteile werden von Mördern, Dealern und Dieben beherrscht. John Jairo organisiert hier Straßenfußballturniere. „Fußball ist das Einzige, was hier zählt, nur übers Fußballspiel kommt man an die Leute ran,“ meint er. Wilmar ist Anfang zwanzig und bolzt seit drei Jahren unter dem Emblem „El Golombiao“ – einem Kunstwort das sich aus „Ball“ und „Kolumbien“ zusammensetzt. „Viele meiner Freunde sind tot“, sagt er. „Es ist die Hölle hier.“ Linke und rechte Guerilla und Banden terrorisieren das Viertel. Auch John entstammt diesen Vierteln. Er war Mitglied von Gangs, die Schutzgelder erpressten. „Jeden Abend gingen wir zum Busbahnhof und kassierten bei den Fahrern ab“, berichtet er, „die zahlten alle.“ Heute steht er auf der anderen Seite, ist in seinem Viertel eine Respektperson vom Rang eines Bürgermeisters. Er weiß, wie man mit Bandenführern, Polizeichefs und der Stadtverwaltung umspringt. Er organisiert Fußballturniere, zu denen Teams aus anderen Barrios anreisen. Dies ist vielleicht die einfachste und zugleich wirkungsvollste Maßnahme, in den Slums von Medellín Frieden zu stiften. Die Regeln, nach denen sie spielen, wurden vom Deutschen Jürgen Griesbeck, der einige Jahre in Medellín arbeitete, entwickelt. Diese Regeln erregten zunächst Aufsehen. Sie schreiben vor, dass in jeder Mannschaft mindestens zwei Mädchen mitspielen und eine von ihnen das erste Tor schießen muss. Ein Team kann nicht allein durch Tore, sondern auch durch Fairness im Zweikampf mit dem Gegner gewinnen. Ein Regelwerk das den Macho-Latinos in der Comuna 13 absurd erschien. Auch John winkte zunächst ab, als er von Griesbeck zum Mitmachen aufgefordert wurde – lies sich aber wohl von den neuen Bällen und Trikots locken. Der Anfang war schwierig und drohte im Chaos zu enden. Erst als Bandenchefs sich von der neuen Spielform überzeugen ließen kam der Durchbruch. Nach ein paar Monaten spielten bereits 500 Teams. Heute spielen 17.000 Jugendliche in 1.600 Mannschaften. Unter dem Motto, „Fútbol por la Paz“, Fußball für den Frieden, machte das Projekt landesweit Schule und wurde von der kolumbianischen Regierung adoptiert, die es „El Golombiao“ taufte und auf das ganze Land ausdehnte. El Golombiao gehört inzwischen zum globalen Netzwerk „Steetfootballworld“ mit Sitz in Berlin. Für die englische Reportage klicken Sie hier. |
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Nicht nur Tore zählen, auch Schimpfworte und Fouls fallen ins Gewicht, aber auch faire Gesten, zum Beispiel, wenn ein Spieler einem anderen auf die Beine hilft. „Und vergesst nicht: Das erste tor muss eine Frau schiessen. Los geht's!" John Jairo |
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