Nach einer einjährigen Vorbereitungszeit machte Peace Counts on Tour Ende September 2011 Station in der jordanischen Hauptstadt Amman. Partner waren das Schneller Educational Training Centre und die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (The Regional Social and Cultural Fund for Refugees and Gaza population) in Amman. Die in arabischer Sprache gedruckte Posterausstellung war in der Theodor-Schneller-Schule zu sehen, dort fanden auch die begleitenden Workshops statt.
Bei der Eröffnung unterstrich Ghazi F. Musharbash, Direktor der Schule und Abgeordneter des jordanischen Parlamentes, die Bedeutung des Projektes für die Entwicklung einer Kultur des gewaltfreien Umgangs in Schule und Gesellschaft. TeilnehmerInnen der Workshops waren Lehrer, Sozialarbeiter und Psychologen aus unterschiedlichen Schulen Ammans sowie Mitarbeiter aus mehreren palästinensischen Flüchtlingslagern. Das Projekt wurde von Uli Jäger und Anne Romund (ift) sowie von Hannah Reich und Peter Wingert durchgeführt. Ihre Erkenntnis: Peace Counts inspiriert mit den visuell orientierten Lernarrangements auch die Menschen im Nahen Osten, sich mit neuen Ansätzen für ein respektvolles Zusammenleben auseinanderzusetzen. Am Ende des Training-of-Trainers-Workshops wurde vereinbart, ein Peace Counts-Netzwerk zu etablieren, Erfahrungen bezüglich der Anwendung im eigenen Umfeld zu sammeln und diese gemeinsam auszuwerten.
Ab sofort sind bei Brot für die Welt und beim Evangelischen Entwicklungsdienst Unterrichtsmaterialien zum Download verfügbar, die gemeinsam mit dem Institut für Friedenspädagogik erstellt wurden. Das Unterrichtsmaterial Zukunfts-WG bietet vielfältige Anregungen zum Globalen Lernen: Wie zukunftsfähig ist unsere Ernährung, wie bewegen wir uns nachhaltig fort und wie muss die Wirtschaft von morgen aussehen? Die zwölf Themenmodule sind den vier Entwicklungsdimensionen Gesellschaft, Umwelt, Wirtschaft und Politik zugeordnet. Sie stützen sich auf Texte und Themen der Studie Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt, die der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), “Brot für die Welt” und Evangelischer Entwicklungsdienst (EED) 2008 herausgegeben haben.
Einführung
Einstiegsmodul: Zukunftsfähigkeit, was hat das mit mir zu tun?
Themenbereich Gesellschaft
Modul 1 Ökologischer Fingerabdruck
Modul 2 Ernährung
Modul 3 Migration
Themenbereich Umwelt
Modul 4 Mobilität
Modul 5 Energie
Modul 6 Artenvielfalt
Themenbereich Wirtschaft
Modul 7 Wachstum
Modul 8 Produktion
Modul 9 Markt und Staat
Themenbereich Politik
Modul 10 Menschenrechte
Modul 11 Konsum
Modul 12 Arbeit
Die Konzeption der Unterrichtsmaterialien berücksichtigt die im Orientierungsrahmen für den Lernbereich Globale Entwicklung genannten Kompetenzanforderungen.
Die Unterrichtsmaterialien sind im Internet kostenlos zum Download verfügbar.
am 26./27. Sept. 2011 traf sich der AK Friedenserziehung der AFK zu einem Fachgespräch in Stein bei Nürnberg. Vertreten waren u.a. die Arbeitsgemeinschaft Friedenspädagogik e.V. München, die association des educateurs à la paix, das Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V., das Institut für Konfliktaustragung und Mediation Hamburg, der Qualifizierungsverbund Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden, das Zentrum für Friedensforschung/Friedenspädgogik an der Universität Klagenfurt, das Friedensbüro Salzburg.
Vorträge über die kulturelle Verankerung von Frieden und Krieg (Werner Wintersteiner), über aktuelle Entwicklungen in Rüstungspolitik, -industrie und -export (Marc von Boemcken) und neue Erfahrungen mit Gewalt und Gewaltfreiheit (Reiner Steinweg) boten Informationen für eine vertiefte Auseinandersetzung. Im Zentrum stand die gegenseitige Information und Reflexion über eigene Arbeitsvorhaben und Projekte. Das nächste Fachgespräch wird im Sept. 2012 in Basel stattfinden.
Unter dem Titel Aufrechter Gang: Zivilcourage im Alltag ist das Heft 3-2011 der Zeitschrift Der Bürger im Staat erschienen. Wer aufrecht geht, setzt Zeichen und ermutigt andere, es gleichzutun. Zivilcouragiertes Verhalten als sozialer Mut im Alltag ist besonders am Arbeits- und Ausbildungsplatz gefragt, in Betrieben und öffentlichen Verwaltungen, in Kirchen wie in Vereinen und Partein. Nicht zuletzt ist sie im privaten Bereich von Familie und Freundeskreis zu lernen und einzuüben. Diese Dimension, die vielen Facetten von Zivilcourage jenseits von Gewalt, werden in den meisten Aufrufen und Analysen vernachlässigt. Ihnen wird in dem Heft auf 200 Seiten besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Der Beitrag Ziviler Ungehorsam und gewaltfreie Aktion wurde von Günther Gugel (ift) verfasst.
Das Heft als PDF: zivilcourage.pdf
Um einen breiten Einsatz der ift-Praxisboxen Streitkultur, Werte vermitteln und Medien und Gewalt zu ermöglichen, fanden in der vergangenen Woche drei Trainings in Plochingen statt. Neben einer thematisches Vertiefung standen Anwendungsmöglichen und methodisches Arbeiten in verschiedenen Praxisfeldern im Zentrum der Qualifizierungen. Geschult wurden hauptberufliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kreisjugendrings Esslingen. Die Qualifizierung fand im Rahmen des Projektes Lebenslinien statt und wurden von Robert Rymes und Werner Schulz (KJR Rems-Murr) sowie von Günther Gugel (ift) durchgeführt.
Flyer zu den Praxisboxen: 9783932444616_flyer.pdf
Günther Gugel: Didaktisches Handbuch 1. Werte leben. Qualifizierung im Projekt Triple V: Values vs. Violence. Unter Mitarbeit von Nadine Ritzi. Tübingen 2011, 115 S.
Dieses didaktisch orientierte Praxishandbuch unterstützt die Auseinandersetzung mit Werten durch konkrete methodisch-didaktische Materialien und Medien sowie mit Überlegungen zur Seminargestaltung. Dabei werden vor dem Hintergrund von Familie, Schule und Jugendarbeit Zugänge zur Wertevermittlung begründet und beschrieben, Materialien hierzu angeboten und konkrete Lerneinheiten strukturiert.
Das Praxishandbuch hat zwei Aufgaben: es dient zum einen der Qualifizierung der Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in dem internationalen Projekt Triple V: Values vs. Violence und ist zugleich eine Grundlage für deren Weiterarbeit in und mit Gruppen und Schulklassen. Dieses Projekt wird von der Europäischen Kommission aus Mitteln des Daphne III Programmes gefördert.
Das Handbuch als PDF: handbuch_werte_1_final_1_7_2011.pdf
Englische Fassung des Handbuches: handbuch_werte_englisch_final.pdf
Ungarische Fassung des Handbuches: handbuch_werte_ungarisch_72dpi.pdf
Zum achten Mal seit 2003 bietet das Pfarramt des Beauftragten der Evangelischen Landeskirche in Württemberg (ELKW) für Friedensarbeit, Kriegsdienstverweigerer und Zivildienstleistende einen Grundkurs Gewaltfreie und konstruktive Konfliktbearbeitung an. Dabei handelt es sich um eine 15-tägige berufsbegleitende Fortbildung. Uli Jäger, ift, gestaltet jeweils zwei Einheiten des Kurses. Beginn des diesjährigen Kurses ist der 8. September 2011.
Flyer als PDF: gukk_flyer_a4.pdf
Weitere Informationen
Am 19. September 2011 wird in der Essen der diesjährige Gustav-Heinemann-Friedenspreis für Kinder- und Jugendbücher verliehen. Mit diesem Preis werden Bücher ausgezeichnet, die Kinder und Jugendliche ermutigen, sich für Menschenrechte, für gewaltfreie Formen der Konfliktlösung, für Integration von Minerheiten und für ein friedliches Zusammenleben einzusetzen. Als Preisbuch hat die unabhängige Jury in diesem Jahr für das Buch Ringel, Rangel, Rosen von Kirsten Boie ausgewählt, erschienen im Verlag Friedrich Oetinger.
Die Geschichte von Kirsten Boie spielt Anfang der 60er Jahre in der Nachkriegszeit in Hamburg. Die dreizehnjährige Karin lebt ein zufriedenes Leben. Sie liebt das Spielen am Deich, die Treffen von Freunden und Familien im Garten. Aber ihre beste Freundin Regina, die nach dem Lesen von Sternenkinder aufgerüttelt ist, und Nachrichten über den Eichmann-Prozess, geben ihr zu denken. Doch das Thema Nationalsozialismus wird in der Familie totgeschwiegen. Auf ihr Nachfragen bekommt sie nur die ausweichende Antwort, wer nicht dabei gewesen war, könne das alles nicht beurteilen. Dann entdeckt sie im Familienalbum Fotos von ihrem Vater als Soldat: Erwischte Freischärler und Heckenschützen steht im Album, aber genau das dazu gehörige Bild fehlt. Plötzlich erscheinen Karin ihre Eltern in einem ganz anderen Licht. Im Februar 1962 kommt die große Flut, und von einem Tag auf den anderen Tag ist nichts mehr, wie es vorher war. Ein Kapitel der deutschen Nachkriegszeit, das in Jugendbüchern eher selten auftaucht. Für heutige junge Leser öffnen sich Einblicke in die Lebenssituation der eigenen Eltern und Großeltern.
Die Stärke der Geschichte liegt auch darin, dass Karin nicht verurteilt sondern überlegt: Wie hätte sie reagiert? Kann man verstehen, warum die Eltern etwas getan oder unterlassen haben? Darf man verzeihen? Und heilt die Zeit alle Wunden? Gerade unter diesen inhaltlichen, Generationen übergreifenden Aspekten ist die Geschichte preiswürdig. Sie spiegelt diese kurze Epoche auch sprachlich exzellent wieder.
Vom 11.8.-23.8.2011 war eine Gruppe Tübinger Studentinnen und Studenten, Teil eines außergewöhnlichen Friedensprojektes. Sie fuhren mit dem Peace Boat von Jordanien über Ägypten und die Türkei nach Griechenland.
Alle zwei Jahre haben Studierende der Universität Tübingen die Möglichkeit, an einer Exkursion auf dem Peace Boat teilzunehmen. Die Studienfahrt beruht auf einer Einladung der japanischen NGO Peace Boat, die ein gleichnamiges Schiff als schwimmende Friedensuniversität unterhält. Dieses Schiff steuert vorwiegend Häfen an, die in ehemaligen und aktuellen Konfliktregionen liegen. Den japanischen Passagieren und internationalen Gästen an Bord wird ein umfassendes und friedenspädagogisch wertvolles Dialog- und Bildungsprogramm in Form von Workshops und Präsentationen angeboten, das die Tübinger Studierenden mit entwickeln und gestalten. Seit dem Pilotprojekt im Jahr 2005 ist es dem Institut für Politikwissenschaft der Universität Tübingen in Zusammenarbeit mit dem Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V. gelungen, dieses Vorhaben als regelmäßigen und festen Bestandteil in das Lehrprogramm des M.A. Studiengangs Friedensforschung und Internationale Politik am Institut für Politikwissenschaft zu integrieren.
Ausführliche Informationen finden Sie hier.
Die Ausgabe 1/2011 von Global Lernen beschäftigt sich mit dem Thema Landgrabbing. Die Rechnung ist einfach: Im Jahr 2050 wird die Weltbevölkerung auf über neun Milliarden Menschen angewachsen sein. Alle diese Menschen müssen sich ernähren. Daher schrumpft die Fläche, die weltweit pro Kopf zum Anbau von Nahrungsmitteln zur Verfügung steht. Sie steht zudem unter Druck durch den Klimawandel, durch Erosion und den Anbau von Futtermitteln und Energiepflanzen für Agrartreibstoffe. Investoren haben diesen globalen Megatrend für sich entdeckt und kaufen weltweit riesige Agrarflächen in der Hoffnung auf hohe Renditen. Zivilgesellschaftliche Organisationen warnen vor diesem Phänomen, das sie als Landraub, Landnahme oder mit dem englischen Begriff Land Grabbing bezeichnen.
Global Lernen 1/2011 als PDF: global-lernen_2011_1.pdf